DVD-Authoring unter Linux

Geschnitten und geröstet

von Marco Kraus


Endlich hat man es geschafft und die vielen Stunden an Videomaterial zu einem schönen Film zusammen geschnitten. Nun soll dieser aber noch mit einem Menü versehen und auf DVD gebrannt werden. DVD-Authoring war lange Zeit mit Linux nicht einfach zu bewerkstelligen. Einige Anwendungen schicken sich aber nun an, diese Lücke zu schließen.

Nun ist es also geschafft. Das doch etwas langatmige Video vom letzten Sommerurlaub ist durch wochenlange Arbeit mit der Schnittsoftware zu einem kleinen und unterhaltsamen Film gereift. Aber was nun ? Um den modernen Ansprüchen gerecht zu werden muß das Werk also nun auf DVD gebrannt werden. Das sogenannte DVD-Authoring (siehe Kasten 1) steht an. Ein Menü, Kapitelanwahl und eben alles was eine Video-DVD im Handel auch so mitbringt wäre wünschenswert.

Kasten 1: DVD-Authoring
Als DVD-Authoring wird der komplette Prozess zum Erstellen eines fertigen DVD-Images bezeichnet. Dies beinhalten die Kodierung der Video- und Audiostreams, das Erstellen von verschiedenen Tonspuren und Untertitel, aber auch das Anlegen der Verzeichnisstrukturen sowie die Realisierung von Funktionen wie der Kapitelauswahl, Multiangel oder dem Kinderschutz. Im Profibereich wird dieser Vorgang auch als pre-mastering bezeichnet.

Schon der simpler Versuch, den geschnittenen Film eben mal schnell mit K3B als Video-DVD auf einen Rohling zu brennen, wird sofort zunichte gemacht. K3B gibt einen Fehler aus:

Bitte beachten Sie, dass eine komplette Dateistruktur für Video-DVDs
bereitstellt werden muss. K3b unterstützt noch nicht die
Video-Transkodierung und Vorbereitung von Video-Objektdateien. Die
Dateien "VTS_X_YY.VOB" und "VTS_X_YY.IFO" werden daher benötigt.

Und dabei war noch nichteinmal ein Menü oder andere Funktionen im Spiel. Das Problem bei einer Video-DVD ist, daß eine spezielle Norm eingehalten werden muß. Diese beschreibt neben dem Dateisystem auch die Dateiformate, Dateistruktur und sogar die Bezeichnung der Files.

Formate der Video-DVD

Time Warner, Toshiba, Sony und Philips einigten sich 1995 auf einen gemeinsamen Video-DVD-Standard. Die massiven Formatstreitereien wie sie bis heute bei Videorekordern vorhanden sind, sollten unbedingt vermieden werden. Der Standard schreibt zwar eine fest vorgeschriebene Struktur vor, läßt aber verschiedene Kombinationen von Ton- und Videoformaten zu.

Als DVD-fähiges Material wird im Normalfall ein MPEG2 Videostrom angesehen. Wichtig hierbei ist, daß die Bildwiederholungsfrequenz, die Auflösung und (wenn eine Audiospur vorhanden) das Tonformat beachtet wird. In Europa herrscht bei der Auflösung und Bildwiederholung des PAL-Verfahren vor. In Japan und den USA ist normalerweise fast ausschließlich das etwas ältere NTSC und das neue HDTV zu finden (siehe Kasten 2). Als Tonformat wird PCM, MPEG2-Audio, DTS und Dolby Digital/AC3 angeboten. Hobbyfilmer nutzen meist einfaches MPEG2-Audio mit Stereoton.

Kasten 2: MPEG2-Normen
Ein MPEG2 Strom wird durch vier sogenannte Profiles definiert, welche die Qualität und Art der Bildabfolge wiederspigelt. Für eine PAL-DVD wird das MainLevel-Profil verwendet. Dies bestimmt eine Auflösung von maximal 720x576 Bildpunkten, bei einer Bildwiederholungsfrequenz von 25 Vollbildern pro Sekunde. Eine NTSC-DVD verwendet hingegen eine Auflösung von 720x480 Bildpunkten bei einer Frequenz von 29,97 Hz.

In den meisten Fällen müßen wir uns zum Glück um diese Details keine Gedanken machen. Die gängigen Schnittprogramme wie Kino oder MainActor bieten eine spezielle DVD-Exportfunktion an, die diese Standards einhält (siehe Abbildung 1). Wenn ein Film in einem Format vorliegt, das nicht mehr geschnitten werden muss aber auch nicht den DVD-Normen entspricht, so empfiehlt sich eine Umwandlung mittels Mencoder[1], ffmpeg[2] oder Transcode[3].

[ DVD-Export von MainActor 5 ]

Abb. 1: Standardkonformer DVD-Export mit MainActor5

Struktur der Video-DVD

Nun sollten eine auf dem einen oder anderen Weg erzeugte und DVD-kompatible MPEG2 Datei vorliegen. Neben dem Dateisystem, das meist UDF Bridge ist, verlangt der Video-DVD-Standard aber auch eine spezielle Anordnung und Bezeichnung der verwendeten Daten.
Die Videodaten liegen in sogenannten VOB Dateien (Video Objects). In den VOB Dateien sind die auszugebenden Inhalte wie Video, Audio und eventuelle Untertitel zusammen vermengt (gemultiplext). Dazu kommen noch IFO Dateien, welche Steuerinformationen wie beispielsweise die Kapitelanwahl enthält. Dazu sind noch BUP (Backup) Dateien zur Sicherung der IFO-Inhalte vorhanden (DVDs sind wegen der höheren Datendichte wesentlich fehleranfälliger als normale CD-Roms).

Es müßen auch die Dateien VIDEO_TS.VOB und VIDEO_TS.IFO existieren, die dem DVD-Abspieler mitteilen wo er mit der Wiedergabe beginnen soll. Diese Dateien sind auch jene, die K3B beim Brennen einer Video-DVD als Struktur verlangt. Detailiertere Informationen zur Dateistruktur und zum Aufbau der Files sind online im inoffiziellen "DVD Specification Guide" nachzulesen[4].

Wie erstellt man aber nun aus der zuvor kodierten DVD-MPEG2 Datei ein vollständiges DVD-Image mit eben dieser Struktur ? Hierfür gibt es unter Linux das Kommandozeilen-Tool dvdauthor.

DVDauthor

DVDauthor[5] ist fast immer der Ausgangspunkt, wenn es um das Erzeugen von DVD-Inhalten unter Linux geht. Alle bisher verfügbaren Authoring-Tools sind nur mehr oder weniger ausgereifte Front-Ends dafür. DVDauthor selbst bringt auch alle weiteren Tools zum Mastern mit. So z.B. ifogen zum Erstellen der passenden IFO Dateien zu den VOBs. Leider ist der Gebrauch von dvdauthor nicht gerade trivial. Zum Erzeugen der Inhalte wird eine XML-Steuerdatei benötig, die vorher per Hand erstellt werden muss. Das Beispiel in Listing 1 ist eine einfache Steuerdatei für einen Film mit zwei Kapiteln, ohne Menü, Hintergund, Direktanwahl und anderer Features.

Listing 1: Einfache DVDauthor Steuerdatei


    
        
              
                    
                        
                        
                      
               
         

Eine etwas komplexere Steuerdatei, die ein funktionsreiches Menü mit einigen gängigen Features parat hat, kann auf diese Art schnell einige Kilobyte an Größe übersteigen. Verständlich, daß man diese nicht mehr per Hand schreiben möchte. Wer dies dennoch tun will, kann sich auf der DVDauthor Web-Seite die Dokumentation und die Control-File-Tutorials durchlesen[5].

Front-Ends

Die zwei bekanntesten und freien Front-Ends sind im moment DVDStyler[6] und Q-DVD-Author[7]. Beides sind relativ junge Projekte und noch im frühen Beta-Stadium. Dennoch sind sie, wenn auch mit einigen Ecken und Kanten, benutzbar und vereinfachen die Arbeit enorm. Beide haben den Anspruch in Zukunft ein vollwertiges kommerzielles Authoring-Tool zu ersetzen. Leider fehlt ihnen zu diesem Zeitpunkt noch die Transformationsroutinen der Videostreams, so daß eine DVD-kompatible MPEG2-Datei vorliegen muß, um eine DVD zu erstellen. Da dies aber in der Praxis durch den Export aus den Schnittprogrammen gegeben ist, können wir diesen Makel verschmerzen.

DVDStyler ist von der eigentlichen Bedienung etwas intuitiver und einfacher als Q-DVD-Author. Leider fehlt im moment noch die Unterstützung für Hintergrundmusik und Unterkapitel. Wer aber einen schnellen und einfachen Einstig sucht, ist bei DVDStyler bestens bedient. Wer jedoch ein etwas komplexeres Menü mastern möchte, der sollte sich Q-DVD-Author vornehmen. Mit Letzterem werden wir nun anhand eines Beispiels eine komplette DVD mit Menü und funktionsreicher Navigation erstellen.

[ DVD-Mastering mit DVDStyler ]

Abb. 2: Einfaches DVD-Mastering mit DVDStyler

Q-DVD-Author

Q-DVD-Author ist ein Projekt von Varol Okan. Die auf Trolltechs QT-Bibliothek basierende Software ist gerade in der Version 0.0.8alpha erschienen. Wie die niedere Versionsnummer bereits vermuten läßt, sind einige Features noch nicht implementiert. Jedoch zeigte sich die Software mit dem bereits vorhandenen Funktionsumfang als äusserst stabil.

Tabelle 1: Funktionsumfang von Q-DVD-Author
+ Erzeugung einer vollständigen DVD-Struktur - Noch keine Unterstützung für Film-Knöpfe
+ Unterstützung für Untermenüs und Navigation - Keine Filme als Hintergrund erlaubt
+ Automatische Größenanpassung von Bildern - Noch keine Untertitel möglich
+ Jedes Objekt kann frei skaliert werden - Keine integrierten Zeichenfunktionen
+ Oberfläche für DVD-Slideshow - keine Konvertierung von Filmformaten
+ Manuelle Kommandomodifikationen möglich - noch keine Online-Hilfe
+ Integrierte Brennfunktion  

Projekt aufsetzen

Nach dem Start der Anwendung sollten zuerst die Projekteigenschaften eingestellt werden. Unter Tools/Setup muß ein Projektname und eine Arbeitsverzeichnis angegeben werden, in dem am Ende die fertige DVD erstellt werden soll. Zudem sollte im Path-Tab zusätzlich die Pfadangaben für die DVDauthor-Tools angepasst werden. Q-DVD-Author merkt sich die leider nur für das aktuelle Projekt. Globale Einstellungen stehen leider nicht zur Verfügung. Die angebotene Funktion scan system funktioniert in der aktuellen Version leider noch nicht. Vom Autor war aber zu erfahren, daß in diesem Bereich gerade die meiste Entwicklung stattfindet. Die Standard-Einstellungen verweisen auf die Binärdateien in /usr/local/bin. Die meisten Distributionen haben diese Dateien jedoch in /usr/bin zu liegen. Mit whereis dvdauthor kann in der Konsole überprüft werden, wo sich die Dateien tatsächlich befindet.

[ DVD-Menüs graphisch erstellt ]

Abb. 3: DVD-Menüs graphisch erstellt

Zwar lief Q-DVD-Author im Test sehr stabil, jedoch empfiehlt es sich auch hier regelmäßig zu speichern. Neben der einfachen Speicherfunktion kann man aber auch eine DVDauthor-kompatible Projektdatei im XML Format exportieren, um bei Bedarf mit den Kommandozeilen-Werkzeugen weiterzuarbeiten. Ein Import von dvdauthor-Dateien ist aber nicht möglich.

Nun werden die eigentlichen Filmdaten dem Projekt hinzugefügt. Dazu wird über "Add Movie" im Auswahldialog der gewünschte Film selektieren. Bei einer Mehrfachauswahl werden die Clips logisch gruppiert und als ein virtueller Film behandelt. Letzteres Vorgehen ist sinnvoll, wenn die einzelnen Kapitel eines Films als einzelne Teile auf der Festplatte liegen.

Hauptmenü designen

Das logischste Vorgehen ist, die DVD-Menüs in der Reihenfolge zu erstellen, wie sie später auch abgespielt werden. Das Hauptmenü, bei dem immer der Abspielvorgang einsetzt, ist immer das beim Start bereits ausgewählte VMGM-Menü.

Unter dem Hauptfenster befinden sich vier Knöpfe, wovon aktuell nur Add Background und Add Sound implementiert ist. Add Background öffnet den File-Dialog und lässt eine Bildauswahl zu. Das selektierte Bild, wird automatisch als Hintergrundbild in das geöffnete Menü platziert.
Über die Größe des Bildes brauchen wir uns dank Q-DVD-Author keine Sorgen zu machen. Sollte das Bild zu klein oder zu groß sein, wird der Resize-Dialog geöffnet, der eine automatische Konvertierung in ein passendes PAL oder NTSC Format vornimmt. Diese Konvertierung ist non-destruktiv. Das heißt, daß die Originaldaten auf der Festplatte nicht verändert werden und man somit gefahrlos auf sein archiviertes Fotoalbum zurückgreifen kann, ohne dabei Angst haben zu müßen, daß die Datein modifiziert werden.

[ automatische Größenanpassung in Q-DVD-Author ]

Abb. 4: Automatische Anpassung der Bildgröße in Q-DVD-Author

Um das Wirken des Hauptmenüs noch abzurunden, kann über Add Sound eine Hintergundmusik gewählt werden. In der Formatwahl ist Q-DVD-Author nicht wählerisch. Neben den üblichen MPEG2-Audio-Formaten und PCM/WAV wird auch MP3 und OGG unterstützt.

Bevor die eigentliche Navigation und die Verknüpfungen der Seiten erstellt wird, ist es ratsam alle weiteren Menüs anzulegen und zu gestalten. So muß natürlich zuerst ein Untermenü zur Kapitelauswahl erstellt werden, bevor von der Hauptseite darauf verlinkt wird.
Der Menüpunkt DVDAuthor/Add Menu fügt dem Projekt ein weiteres leeres Menü hin. Über DVDMenu/Rename Menu kann und sollte diesem gleich ein aussagekräftigerer Name verliehen werden. Das restliche Vorgehen zur Gestaltung ist identisch zu dem im Hauptmenü.

Kasten 3: Gestaltungsprobleme
Insgesamt tat sich Q-DVD-Author im Test oftmals schwer, wenn nachträglich viele Veränderungen in der Struktur vorgenommen wurden. So ist es mehrfach vorgekommen, daß sich das Script zum Erstellen der DVD am Ende mit Segfaults verabschiedete. Es stellte sich heraus, daß die erzeugte XML Datei nach mehrfachem Hinzufügen und wieder Löschen von Elementen korrupt war. Daher empfiehlt es sich hier ein wenig vorausschauend zu arbeiten.

Navigation gestalten

Um nun eine Verbindung zwischen den einzelnen Menüs und den Videoströmen zu schaffen, müßen Navigationspunkte erstellt werden. Diese dienen dann als Knopf, auf den später der Anwender klicken kann um zum nächsten Menü oder Film zu gelangen. In der aktuellen Version kann man normalen Text, aber auch ein Bild als Knopf verwenden. Die in der Auswahl noch angebotene Collection und Movie sind noch nicht realisiert. Rahmen kann auch verwendet werden, hat aber bisher nur einen zum Teil nutzbaren Funktionsumfang.

Ein Rechtsklick in das Hauptfenster eines Menüs öffnet ein Kontextmenü. Dort stehen stehen die Navigationselemente zur Auswahl. Alternativ kann auch eine Auswahl über den Eintrag DVDmenu in der Titelleiste geschehen.
Wird ein Text oder Bild ausgewählt, so erscheint ein Fadenkreuz, und der Anwender kann nun einen Rahmen ziehen, um die Größe des Elemnts zu bestimmen. Wenn ein Textelement ausgewählt wurde, erscheint ein Textdialog, in dem neben dem eigentlichen Text auch die Schriftart, Größe, Farbe und Ausrichtung eingestellt werden kann.

[ Schriftendialog in Q-DVD-Author ]

Abb. 5: Schriftendialog in Q-DVD-Author

Wurde ein Bild als Navigationselement ausgesucht, so erscheint der bereits bekannte Dialog zur Bildauswahl. Im Beispiel aus Abbildung 3 wurde ein Text- und Bildelement auf den Titelhintergrund platziert. Beide lassen sich über Kontextmenü/Matrix (rechte Maustaste) skalieren, scheren und frei drehen.

[ Kontextmenü der Navigationselemente ]

Abb. 6: Kontextmenü der Navigationselemente

[ Matrixdialog zur Objektmanipulation ]

Abb. 7: Matrixdialog zur Objektmanipulation

Während dieses Matrixmenü bei Text noch Sinn macht, da ein Edit wieder den Schriftendialog öffnet, ist diese Funktion bei einem Bildelement überflüssig. Der Matrixdialog erzeugt bei der Manipulation von Bildern schlechte Ergebnisse. Q-DVD-Author hat daher dem Bildelement eine mächtigere und qualitativ viel hochwertigere Oberfläche zur Bildmanipulation bereit gestellt. Im Kontextmenü unter Edit öffnet sich bei Bildern dieser sogenannte ImageDialog. Es ist zu empfehlen bei Bildveränderungen immer auf diesen, statt dem Matrixdialog, zurück zu greifen.

[ erweiterte Bildermanipulation ]

Abb. 8: Erweiterte Bildmanipulation

Navigation erstellen

In Anlehnung an Abbildung 3 wollen wir nun das erstellte Textelement mit einem Videostrom verknüfen. Das Bild von Tux soll auf das erstellte Untermenü "Kapitelauswahl" zeigen, in dem wir später die Direktanwahl realisieren.
Dazu wird der Text markiert und im Kontextmenü die Funktion Define as button ausgewählt. Während den Tests hat sich gezeigt, daß sich die aktuelle Version der Software mit dem nachträglichen Ändern der Elemente schwer tut, sobald sie mal als Knopf definiert wurden. Es ist also ratsam vor dem Aufruf dieser Funktion sicher zu sein, daß die Größe, und Position des Navigationspunktes korrekt ist. Es erspart zumindest viel Aufwand bei der Nachbearbeitung.

[ Funktionsweisen von Navigationselementen festlegen ]

Abb. 9: Funktionsweise von Navigationselementen festlegen

Im sogenannten Buttondialog erscheint nun unter General ein Feld zum Eintragen eines aussagekräftigen Namens. Das darunterliegende Feld Action bestimmt die eigentliche Funktionsweise des Knopfes. In den allermeisten Fällen wollen wir einen Sprungbefehl realisieren. Die voreingestellte Funktion jump ist daher fast immer richtig. Das daneben liegende Pulldownmenü listet alle Menüs und Filme auf, die wir unserem Projekt hinzugefügt haben. Zu Erinnerung: das vmgm ist das Hauptmenü. Wir wollten das Textelement mit dem Videostrom verbinden. Diesen wählen wir aus. Das Menü mit der Zeitanzeige bezieht sich auf eingestellte Kapitel, auf diese kommen wir aber später noch zu sprechen.

Im advanced menü lassen sich noch einige Feinheiten bezüglich der Größe und Navigation einstellen, jedoch ist dies nur in Spezialfällen von Nöten. Die Navigation auf dem DVD-Player per Pfeiltasten funktioniert automatisch und problemlos.Die Tabs Normal, Highlighted und Selected lassen noch einmal eine individuelle Textgestaltung des Buttons in den verschiedene Anwahlmodi zu.

Nach Dialogabschluß zeigt sich das Kontextmenü des Knopfes mit leicht veränderten Funktionen. Beim Aufruf von edit erscheint nun der Button-Dialog anstatt der Schriftenauswahl. Zusätzlich kann man die Verknüpfung mit unbutton wieder lösen. Die Verbindung des Bildes mit dem Menü "Kapitelauswahl" erfolgt über den gleichen Dialog und auf identische Art und Weise, nur daß eben beim Sprung das gewünschte Untermenü als Ziel angegeben wird.

Kapitelauswahl im Submenü

Nun soll das Untermenü "Kapitelauswahl" noch die Direktanwahl bereitstellen. Hierzu muss der Film ersteinmal mit Kapitelmarkierungen versehen werden. Dazu markiert man auf der linken Fensterseite unter All das gewünschte Video, öffnet mit der rechten Maustaste das Kontextmenü und wählt Edit.

In dem Menü SourceEntry werden nun die im Projekt befindlichen Filme aufgelistet. Jeder Film, egal ob alleine oder virtuell zusammengefasst, hat seine eigene Verwaltung von Kapitelmarkierungen. Wir wählen nun als Beispiel unsere Hauptfilm aus, und rufen das Menü Edit Chapters aus, das sich auf der rechten Seite befindet (siehe Abbildung 10).

[ Kapitelmarkierungen im Film festlegen ]

Abb. 10: Kapitelmarkierungen im Film festlegen

Mit Auto-Chapter kann man nach einem bestimmten Zeitintervall automatisch Markierungen setzen lassen. Im Normalfall will man meist jedoch Kapitel an logisch sinnvollen Punkten ansetzen, und es empfiehlt sich daher eine manuelle Bearbeitung. Die Previewfunktion im Kapiteldialog funktionierte bei der getesteten Version leider noch nicht. Und auch der unter Movie Selection befindliche Movieplayer liefert leider keine Zeitangaben bei der Wiedergabe, so daß es meist nicht ganz so leicht fällt, die richtige Position für eine Kapitelmarkierung zu finden.

Sind alle Markierungen gesetzt, können diese nun über einen normalen Navigationsknopf referenziert werden. In der Praxis verwendet man gerne kleine Filmbilder aus diesem Kapitel, aber es tun zu Beginn auch einfache textuelle Beschreibungen. Diese werden wie beim Hauptmenü angelegt und wieder im Kontextmenü als Knopf definiert. Bei der Sprungauswahl wird nun der Hauptfilm ausgewählt. Da wir diesem Video nun Kapitelmarkierungen zugewiesen haben, können wir diese jetzt im Pulldown-Menü hinter der Filmauswahl direkt anwählen. Jeder Navigationspunkt wird nun auf eine andere Kapitelmarkierung verwiesen.

[ Fertiges Menü zur Kapitelanwahl ]

Abb. 11: Fertiges Menü zur Kapitelanwahl

Am Ende ist es auch noch wichtig, daß in jedem Untermenü auch eine Rückwärtsnavigation auf das Titelmenü zu finden ist. Also ist zusätzlich zu den Kapitelknöpfen noch ein Element mit dem Verweis auf das vmgm-Menü zu setzen.

DVD-Slideshow

Unsere eigentliche DVD wäre an dieser Stelle fertig. Jedoch bietet Q-DVD-Author noch einen Bonus: DVD-Slideshow. Auf der linken Seite des Programms fällt unter Add moview der große Knopf Add slideshow auf. Darunter verbirgt sich ein eigenes Front-End für das Programm dvd-slideshow. Dies ist wie dvdauthor eigentlich auch ein reines Kommandozeilentool. Es dient zur Erstellung eines Fotoalbums als MEPG2 Datenstrom. In vielen Fällen hat man neben einem Film auch noch viele Bilder geschossen. Mit DVD-Slideshow können diese nun in einen selbstlaufenden Film umgewandelt und mit auf die DVD gebrannt werden.

[ integrierte Oberfläche für DVD-Slideshow ]

Abb. 12: integrierte Oberfläche für DVD-Slideshow

Nach der Anwahl von DVD-Slideshow erscheint ein leeres Textfeld. Per Select images können nun eine beliebige Anzahl von Bildern ausgewählt und hinzugefügt werden. Diese bilden die Grundlage für den Fotofilm. Unter dem Knopf continue verbirgt sich nur der Filterdialog, der neben der Bestimmung von Übergängen auch eine Hintergrundmusik zur Auswahl zulässt. Die Knopfbezeichnung ist hier ein wenig irreführend. Als weitere Funktionen im Auswahlfenster kann man eine beliebiges Hintergundbild bestimmen. Dies ist aber nur sinnvoll, wenn die zu zeigenden Bilder nicht flächenfüllend sind. general delay bestimmt die Anzahl der Sekunden die ein Bild gezeigt werden soll. include filter gibt an, ob die Bildübergänge,die unter continue bestimmt wurden, überhaupt generiert werden sollen. Die Filtergenerierung ist nämlich eine zeitintensive Angelegenheit.

Mit einem Klick auf ok wird ein Erstellungsfenster aufgerufen, das alle speziellen Projekteinstellungen für dvd-slideshow abfrägt. Es soll also ein Arbeitsverzeichnis und Name für die fertigen Film angegeben werden. Mit generate slideshow wird dann der Film in das angegebene Verzeichnis erstellt.
Q-DVD-Author übernimmt den erstellten Film automatisch in das angelegte DVD-Projekt und bietet den Film in der Medienauswahl an. Dieser kann nun also direkt über ein normalen Navigationsknopf, so wie wir es auch bereits mit dem Hauptfilm gemacht haben, angesprochen werden.

[ integrierte Oberfläche für DVD-Slideshow ]

Abb. 13: integrierte Oberfläche für DVD-Slideshow

Der Brennvorgang

Nun sind die Daten und das Menü soweit aufbereitet, daß daraus eine DVD-Datenstruktur erstellt werden soll. Dazu wird in DVDAuthor/Create DVD der sogenannte Command-Queue-Dialog aufgerufen. Dieser zeigt alle nun auszuführenden Kommandos in der richtigen Abfolge an, und lässt noch zusätzliche Modifikationen an den Parametern zu. Wer hier die einzelnen Tools nicht wirklich genau kennt, sollte sich aber besser auf die Standardwerte verlassen.

[ Kommandos um Erstellen manuell ändern]

Abb. 14: Kommandos zum Erstellen manuell ändern

Es ist auch ratsam, den Haken bei "Don't execute Burn DVD" weg zu lassen, wie es in der Standardeinstellung auch der Fall ist. Das bedeutet, daß in dem bei den Projekteinstellungen angegebenen Arbeitsverzeichnis nur die DVD-Datenstruktur mit den Inhalten angelegt wird, also die zwei Verzeichnisse VIDEO_TS und AUDIO_TS mit all den benötigten VOB-, IFO- und BUP-Dateien. Ein Brennversuch wird aber nicht gestartet. Beginnt man nun den Erstellungsprozess, so zeigt Q-DVD-Author alle Tätigkeiten detailiert in einer Textbox an.

Sobald der Vorgang beendet ist (dies kann aber je nach Projektgröße einige Zeit dauern) kann zum Beispiel mit xine diese Datenstruktur auf der Festplatte bereits ohne Brennvorgang als DVD angesehen werden:
xine dvd://Arbeits/Verzeichnis/VIDEO_TS Es empfiehlt sich immer vor dem Verbrauch eines teuren DVD-Rohlings sich das Ergebis zuerst auf diese Art anzusehen.

Das eigentliche Brennen der Daten auf DVD kann man nun über Q-DVD-Author vornehmen, indem man im Command-Queue-Dialog die Option "Burn DVD" aktiviert. Der Brennvorgang an sich greift auf die bekannten Tools wie growisofs zurück. Es empfiehlt sich, trotz vorheriger Überprüfung mit xine, dennoch zuerst auf einen DVD-RW Rohling zu brennen. Selbst Authoring-Profis brauchen im Normalfall zwei Anläufe, bis eine DVD auch auf dem Fernseher so aussieht, wie man es sich vorstellt. Bei Anfängern liegen die Anzahl der Versuche noch um einiges höher und kostet bei den Preisen eines DVD-Rohlings sogar richtig Geld.

Ein Problem, auf das man schon beim mastern achten sollte ist, daß der sichtbare Bereich in einem Fernsehgerät normalerweise kleiner ist als auf dem Bildschirm. Also sollten Navigation und Texte nie eng an den Rand gesetzt werden. Aber auch Farbtreue oder die Kompatibilität mit verschiedenen Stand-alone DVD-Playern ist eine Sache, die vorher unbedingt gestestet werden muß.

Kasten 4: Schöner brennen
Der Brenndialog in Q-DVD-Author ist eine kleine und minimale Implementierung. Er erfüllt zwar seine Funktion, entspricht aber nicht jedemanns Geschmack und kann mit dem Funktionsumfang eines richtigen Brennprogramms natürlich nicht mithalten. Da die von K3B geforderten Dateien für eine Video-DVD aber nun jetzt existieren, kann man auch problemlos darauf zurückgreifen. Einfach ein neues VideoDVD Projekt anlegen in K3B anwählen, die zwei von Q-DVD-Author erstellten Verzeichnis in das Datenfenster ziehen und losbrennen.

Ausblick

Alles in allem ist Q-DVD-Author trotz einiger Macken wie der zum Teil verwirrenden Navigation und fehlenden Funktionen das mit Abstand ausgereifteste Authoring-Tool unter Linux. Es läuft auch in diesem frühen Entwicklungsstadium sehr stabil. Es fällt vor allem auf, daß viele Funktionen bereits als Knopf vorhanden, aber leider noch implementiert sind. Mit der aktuellen Alphaversion der Anwendung hat der Entwickler auch eine deutsche Sprachunterstützung eingebaut. Das Programm hat den Anspruch in Zukunft professionell DVDs mastern zu können und es scheint auch, daß Q-DVD-Author diesem Anspruch auch gerecht werden könnte.

Infos

[1] Mencoder: http://www.mplayerhq.hu
[2] ffmpeg: http://ffmpeg.sourceforge.net
[3] Transcode: http://www.zebra.fh-weingarten.de/~transcode
[4] DVD specification guide: http://www.dvd-replica.com/DVD/index.php
[5] DVDauthor: http://dvdauthor.sourceforge.net
[6] DVDStyler: http://dvdstyler.sourceforge.net
[7] Q-DVD-Author: http://qdvdauthor.sourceforge.net


Der Autor

Marco Kraus studiert Informatik an der TFH in Berlin und ist neben seiner langjährigen Leidenschaft für Linux auch begeisterter Hobbyfilmer und DVD-Sammler.